Die europäische Romantik ist eine Epoche des intensiven Kulturkontaktes und -transfers zwischen den einzelnen Nationalliteraturen. In Deutschland entdecken u.a. die Brüder Schlegel die spanische Literatur des Mittelalters und des Siglo de Oro neu, allen voran Cervantes und Calderón, und entwickeln daraus ihre Auffassung von ‚Weltliteratur‘ (vgl. F. Schlegels „Brief über den Roman“). Spanien wird von den deutschen Frühromantikern zum Sehnsuchtsland schlechthin mythologisiert. In Frankreich setzt die Romantik um 1800 durch die Vermittlung von Mme de Staël ein. Im Exil von Coppet am Genfer See versammelt sie führende Geistesgrößen Europas um sich (etwa A. W. Schlegel, Chamisso, Byron) und wird damit zu einer wichtigen Initiatorin der romantischen Bewegung in Europa. Mit ihrem Buch De l’Allemagne (1813) prägt sie das Deutschlandbild der französischen Romantik nachhaltig, was Heine in seiner Romantischen Schule (1836) zu einer satirischen Gegendarstellung veranlasst. In Spanien gibt Böhl de Faber mit Übersetzungen und Artikel, die in der Zeitschrift El Europeo (1823-24) veröffentlicht werden, den entscheidenden Anstoß zur Rezeption der romantischen Dichtungstheorie. Ziel des Seminares ist es, die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen der deutschen, französischen und spanischen Romantik zu untersuchen. Neben zentralen poetologischen Texten werden wir dabei auch ausgewählte Gedichte (im Original und in Übersetzung) aus den drei Nationalliteraturen lesen, um typisch romantische Themen und Motive herauszuarbeiten.