Goethe, Schiller oder Heine gibt es nicht nur einmal. Die verschiedenen Ausgaben ihrer Werke weisen auf ein grundlegendes Problem in der Literaturwissenschaft. Im Prinzip gibt es nämlich nicht den Text eines literarischen Werks, einer Dichtung, der mit sich identisch und allgemein gültig ist. Historisch-kritische Ausgaben, kommentierte Studienausgaben, Aus­gaben in historischer, modernisierter oder gar reformierter Orthographie ‑ jede zeigt eine durchaus eigene Version eines Textes.

Im ersten Block erfolgt eine theoretische Einführung in die Gesichte und in Grundprobleme der Editionswissenschaft, außerdem sollen einige historisch-kritische Ausgaben und digitale Editionen kurz vorgestellt und kritisch gesichtet werden.

Im zweiten Block, einem vorwiegend praktisch orientierten Teil, werden an Hand von ausgewählten digitalen Faksimiles von Originalhandschriften Briefe, Gedichte transkribiert und damit grundlegende Probleme des Editors bei der Textkonstitution erfahrbar gemacht. Eine kurze Hinführung in die TEI/XML-Codierung zeigt Wege auf, die zunächst traditionell erfolgte Transkription für die digitale Umsetzung vorzubereiten.

Die vorbereitende Lektüre der Einführung von Bodo Plachta ist ausdrücklich erwünscht:

Bodo Plachta: Editionswissenschaft. Eine Einführung in Methode und Praxis der Edition neuerer Texte. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2006 (2. Aufl.)