Auch wenn ein erster Blick auf die Kapitelüberschriften des ersten Abschnitts im zweiten Band von G. W. F. Hegels Wissenschaft der Logik (WL) – nämlich „der Begriff”, „das Urteil” und „der Schluss” – nahezulegen scheint, dass wir es hier am ehesten mit dem zu tun haben, was vor Hegels Zeit und auch heutzutage gemeinhin unter ‚Logik‘ verstanden wird, mag schon die erste Lektüre Anlass zur Verwunderung geben. Diese Verwunderung hat nicht nur Hegels eigenwilliger Prosa zu tun. Denn seine Theorie von Begriff, Urteil und Schluss betrifft nicht allein (und vielleicht noch nicht einmal primär die Frage wie Ausdrücke zu bedeutungsvollen Aussagen verbunden werden, die wahr oder falsch sein können oder wie von solchen Aussagen wiederum auf andere schließen können, die deren Wahrheitswert erhalten. Vielmehr geht es Hegel in seiner WL – als „Wissenschaft des Denkens” (Enzyklopädie § 19) auch darum, ob und wie solchen Formen des Denkens erlauben, die grundlegende Struktur der Wirklichkeit zu begreifen. Er bringt dieses philosophische Programm in dem Slogan „Die Logik fällt daher mit der Metaphysik zusammen, der Wissenschaft der Dinge in Gedanken gefaßt, welche dafür galten, die Wesenheiten der Dinge auszudrücken” (Enzyklopädie § 24) auf den Punkt. Es ist allerdings keineswegs klar – und, in der Tat, umstritten – wie dieser Slogan genau zu verstehen sei.

 

In diesem Seminar werden wir der Frage, wie sich Logik und Metaphysik nach Hegel zu einander verhalten, anhand einer eingehenden Lektüre von Hegels Theorie von Begriff, Urteil und Schluss nachgehen. Dabei werden wir uns zugleich mit den Grundzügen seiner Metaphysik vertraut machen und diese im Lichte einschlägiger Debatten diskutieren.