Unser Wirklichkeitssinn werde nicht allein durch das Sichtbare bestimmt; er umfasse ebenso ein allgemeines „Gefühl des Pulsierens“ und der „Schwingungen von Energien“ in der Elektrizität, im Magnetismus oder der „Natur des Bewusstseins“. Was hier William Crookes, Präsident der Society for Psychical Research, bereits 1896 postuliert, das wird die unterschiedlichen thematischen ‚Randgänge‘ unseres Seminars anleiten: Es widmet sich Bildverfahren, die Phänomene außerhalb der menschlichen Wahrnehmung aufzeichnen, und verbindet dabei den Einblick in technische Dispositive des ‚Unsichtbaren‘ mit ihrer kultur- und medienphilosophischen Perspektivierung.

Das betrifft zunächst Bildprozesse, die „fotografisch“ sein können, der Fotografie ähneln, von ihr abstammen oder sie digital erweitern – das klassische Lichtbild, ebenso dessen Koppelung mit anderen Sehapparaten (Mikrofotografie, Telefotografie, Chrono-Fotografie, Hologramm) wie auch Operationen jenseits des sichtbaren Spektrums (Röntgen, Wärmebild, Computertomografie).

Vor allem aber geht es um die Diskurse und kulturellen Kontexte, die solche Bilder hervorbringen: Wie verschränken sich Spiritualismus und Wissenschaft im Geisterfoto? Welche Parallelwelten entdecken Fotos von Mikroben oder Galaxien? Welche Vorstellungen vom Denken vermittelt ein CT-Scan? Und wie lässt sich das, was dem Auge geschichtlich, sozial oder politisch entgeht – vom Holocaust bis zur zeitgenössischen Migration –, fotografisch aufdecken?