Zwischen Medien und Migration besteht ein enger Zusammenhang. Bilder, so hat die Künstlerin und Migrationsforscherin Brigitta Kuster prägnant formuliert, formatieren Migration. Sie bringen Migration auf das ‚gesellschaftliche Display’ und bestimmen mit, wie Migration gesellschaftlich und politisch gedacht, imaginiert, gesehen und verhandelt wird. Umgekehrt ist Migration auch ganz konkret an Medien gebunden, Migrationsbewegungen sind immer auch so etwas wie Bewegungen einer technischen Avantgarde: So dienen Medien als Werkzeuge zur Organisation von Migrationsrouten, Satellitenschüsseln zeugen ebenso von transnationaler Kommunikation, wie die Proliferation von ‚pirate cinema’. Die vermeintlich ‚undokumentierten’ gefährlichen Passagen über das Mittelmeer werden nicht nur von von Überwachungstechnologien erfasst und z.B. auf Satellitenbildern verzeichnet, sondern von Mobiltelefonen und kleinen Kameras begleitet. Mit den ‚Harraga’ Videos ist sogar ein eigenes Genre entstanden, das wiederum Eingang in Musikvideos gefunden hat. Migrationsgeschichte lässt sich daher auch als Mediengeschichte schreiben – und umgekehrt. In diesem Seminar wird es anhand von konkreten Beispielen um eine Einführung in die verschiedenen Zusammenhänge von Migration und Medien gehen. Migration soll medial gedacht werden und Medien unter dem Aspekt der Migration betrachtet werden.