Lee Edelman hat 2004 in “No Future” dafür argumentiert, dass das Queeresich gegenüber dem Vorwurf, sich nicht in die heterosexuelle Ordnung der Reproduktion zu fügen, nicht verteidigen, sondern affirmativ darauf bestehen solle. Queersolle sich einer Politik von Zukünftigkeit – u.a. im Namen des Kindes – aktiv verweigern und stattdessen das unmögliche Projekt einer queeren Oppositionalität verfolgen. Kritisiert wurde dies u.a. von José Muñoz, der Edelman vorwarf, die gewaltvolle Vorenthaltung von Zukünftigkeit von Schwarzen und indigenen Menschen – queer oder nicht – zu ignorieren. Heute wird von Autor*innen wie Claire Colebrook oder Heather Davies „sexuelle Indifferenz“ und das Verschwinden des Y-Chromosoms in Verbindung mit Umweltverschmutzung und Artensterben als produktiv diskutiert, während zugleich in feministischen Debatten darüber gestritten wird, ob die Rede von der Überbevölkerung Rassismus reproduziert und ob es um „kin“ gehen muss anstelle von „population“ (Haraway/Clark).

Das Seminar möchte diese Diskussion aufgreifen und mit Blick auf zeitgenössische Filme, Videos, Installationen und Serien danach fragen, wie Medien, Reproduktion und (fehlende) Zukünftigkeit für ein queeres Unbehagen stehen und oftmals als Symptome der Verqueerung dieser Felder stehen, selbst wenn es sich nicht im eigentlichen Sinn um Arbeiten des Queer Cinema handelt – Queerness steht hier zunächst für die Störung einer Ordnung. Wie sollten gegenwärtige Ängste vor der Unbewohnbarkeit des Planeten, Ängste vor dem Aussterben kritisch queer gelesen werden – und zwar dezidiert rassismustheoretisch fundiert? Das Seminar wird medientheoretische Texte zur technischen Reproduktion mit feministischer /postkolonialer Marxismuskritik zu Reproduktion und „neuer Landnahme“, kritischen Auseinandersetzungen mit Reproduktionstechnologien sowie zu Bevölkerungspolitik mit queertheoretischen Texten und Beispielen aus Kino, Kunst & TV verknüpfen.